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„Social media sind aus moderner Hochschulkommunikation nicht mehr wegzudenken“

Prof. Dr. Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität Marburg, über Öffentlichkeitsarbeit und Arbeitgeberstatus der Uni

Mit mehr als 22.000 Studierenden herrscht an der Philipps-Universität Marburg ein so großer Andrang wie nie zuvor. Das führt die Uni-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Krause auf den guten Ruf, aber auch auf eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit der Universität und ihrer Fachbereiche zurück. Die Universität sei offen für neue Medien und Kommunikationsformen wie „social media". Sie bediene diese auch in dem Maße, wie es angesichts eingeschränkter Finanzen an Hochschulen möglich sei.

Perspektivisch möchte das Universitäts-Oberhaupt an der Präsentation nach außen arbeiten. Die „Kultur des Understatements" muss laut Prof. Krause einer selbstbewussteren Eigendarstellung der Universität in der Öffentlichkeit weichen. Die Redaktion des Instituts für angewandte PR sprach mit Prof. Dr. Katharina Krause über Kommunikation, spezielle Methoden der Zielgruppenansprache und die Rolle der Universität als regionaler Arbeitgeber.



Prof. Dr. Katharina Krause (links) im Gespräch mit
Dr. Karin Uphoff, Leiterin Institut für angewandte PR

Redaktion: Mit über 22.000 Studierenden herrscht an der Philipps-Universität Marburg ein so großer Andrang wie nie zuvor. Was tun Sie als Universität, um für Studierende interessant zu sein?

Prof. Krause: Eigentlich müssten wir bei diesem großen Andrang gar nichts mehr tun. Aber natürlich haben wir den Anspruch, Studierende nach Marburg zu holen, die zu uns passen und deren Erwartungen die Uni Marburg dann auch erfüllt. Dafür haben wir gemeinsam mit Experten ein spezielles Programm entwickelt. Auf der Website der Philipps-Universität informieren wir die Studierenden en Detail über die einzelnen Studiengänge, über die Qualifikationen, die sie mitbringen sollten, und über die Vorzüge eines Studiums in Marburg.

Redaktion: Welche Vorzüge sind das zum Beispiel?

Prof. Krause: Dazu zählen etwa kurze Studienzeiten, hoch qualifizierte und forschungsbegeisterte Lehrkräfte, Partnerschaften mit rund 130 Universitäten auf der ganzen Welt, angenehme Lebens- und Studienbedingungen sowie zahlreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Um den Einstieg so gut wie möglich zu gestalten, steht die Studienberatung vor Ort den Studierenden im Vorfeld ihres Studiums mit Rat und Tat zur Seite. Und auch unsere aktiven  Fachschaften tun viel, um den jungen Menschen den Studienbeginn so angenehm wie möglich zu gestalten: Einführungswochen mit Stadt-Ralleys, Erstsemesterpartys und einem festlichen Dinner gehören zum Begrüßungspaket der Universität.

Redaktion: Welche Rolle spielen offizielle Bewertungen?

Prof. Krause: Das Thema Ranking ist für viele Studierende interessant. Da steht Marburg übrigens verglichen mit  anderen deutschen Universitäten in vielen Fächern gut bis sehr gut da. Das zeigen Vergleiche wie etwa das Focus-Ranking oder CHE, das in der ZEIT veröffentlicht wurde. Auch wenn ich den Erhebungen gegenüber skeptisch bin, da sie ein Stück weit immer subjektiv sind, haben Rankings für die Außenwirkung durchaus Bedeutung.

Redaktion: Stichwort „Außenwirkung“: Über welche Kanäle machen Sie Studierende oder auch potentielle Mitarbeiter und die allgemeine Öffentlichkeit auf die Philipps-Universität aufmerksam?

Prof. Krause: Die Website der Universität ist mit Studieninformationsportalen wie Hochschulkompass verlinkt, aus dem sich zum Beispiel auch internationale Datenbanken  oder die der Bundesagentur für Arbeit und des DAAD speisen. Wir sind regelmäßig mit Berichten in der lokalen Presse und in Online-Portalen wie Spiegel online präsent sowie in überregionalen und internationalen Fachkreisen und im geringeren Umfang in den social media. Und  natürlich sind die Studierenden selbst sowie jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter und unsere Alumni potentielle Werbeträger der Universität.

Redaktion: Apropos Mitarbeiter: Die Philipps-Universität hat fast 4.000 Beschäftigte und ist damit der größte Arbeitgeber in Marburg. Wie gewinnen  Sie qualifizierte Mitarbeiter?

Prof. Krause: Bei der Personalsuche gibt es die im Öffentlichen Dienst obligatorische Stellenausschreibung. Im regionalen Arbeitsmarkt liegt der Fokus dabei auf den Printmedien. Hier erreichen wir auch immer wieder besondere Aufmerksamkeit durch die hochqualifizierte Berufsausbildung, die die Philipps-Universität jedes Jahr jungen Menschen bietet. Mindestens einer unserer Auszubildenden gehörte in den vergangenen Jahren immer zu den Jahrgangsbesten hessenweit.

Wenn es um Arbeitsplätze für Wissenschaftler geht, spielt auch die Online-Ausschreibung bundesweit und international eine wichtige Rolle. Der gute Ruf  der Marburger Uni führt außerdem dazu, dass wir im Bereich Forschung und Lehre immer wieder Spontanbewerbungen erhalten. Die gehen dann in der Regel direkt an die wissenschaftliche Arbeitsgruppe.

Redaktion: Was können Sie qualifizierten Mitarbeitern offerieren, um sie langfristig zu halten?

Prof. Krause Bei den Vorteilen, die wir unseren Miterbeitern bieten, steht die Sicherheit des Arbeitsplatzes ganz weit oben. Dafür nehmen Mitarbeiter auch Einschränkungen in der Bezahlung hin. Denn verglichen mit Industrie und Wirtschaft liegen die Gehälter an der Universität in der Regel niedriger. Bei Akademikerstellen sieht es mit stabilen Arbeitsverhältnissen allerdings anders aus. Weil Akademiker in der Phase ihrer Qualifikation nur befristete Stellen haben, wandern viele hoch qualifizierte Fachleute ins Ausland ab oder gehen in die Industrie und Wirtschaft. Die Folge: Eine große Fluktuation bei Wissenschaftlern. Das ist ein typisch deutsches Phänomen, mit dem sich auch andere Universitäten auseinandersetzen. Finanziell sind uns enge Grenzen gesetzt, wenn es um die Bindung von Führungskräften geht.

Redaktion: Hat sich Ihre Strategie in Richtung Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gewandelt? Und wenn ja, in welche Richtung?

Prof. Krause: Wir beobachten die Entwicklung und die Zielgruppen und reagieren darauf im Rahmen unserer Möglichkeiten. So gibt es an der Philipps-Universität zum Beispiel spezielle Angebote und Service-Leistungen für junge Familien oder „Dual Career Couples“, also Paare, in denen beide Partner eine ambitionierte und eigenständige Berufslaufbahn anstreben. Um Mitarbeiter dieser Zielgruppen zu gewinnen und zu binden, bieten wir spezielle Beratungen und Unterstützung an. Das betrifft Themen wie Arbeitsplatzsuche des Partners, Wohnen, Kinderbetreuung und Schulen, Alten- und Pflegeheime oder  Freizeitmöglichkeiten. Auch Kooperationen etwa mit städtischen Einrichtungen oder Unternehmen der Region sind Bestandteil dieses Programms. Allerdings haben wir als Universität wie schon erwähnt nur begrenzte finanzielle Mittel. So können wir bestimmte Ideen anstoßen und zum Teil auch umsetzen, meist jedoch nicht in dem Umfang, wie wir es uns selbst wünschen würden.

Redaktion: Haben Sie ein Beispiel dafür?

Prof. Krause: Ja, etwa im Bereich der Kinderbetreuung. Da gibt es Kooperationen mit unterschiedlichen Einrichtungen. Oft liegen die Arbeitszeiten aber gerade im wissenschaftlichen Bereich außerhalb der „Regelarbeitszeit“ von 8 bis 17 Uhr. So bleiben notgedrungen „Versorgungslücken“. Das gleiche gilt für die Ferienzeiten, da  Schul- und Semesterferien in der Regel nicht zur gleichen Zeit liegen.

Redaktion: Viele Bereiche geht die Uni Marburg also offensichtlich aktiv an. Auf den Standort haben Sie allerdings keinen Einfluss. Erleben Sie  Marburg beim Mitarbeiter-Rekruiting als beliebt? Oder ist es eher schwierig, künftige Mitarbeiter für Marburg zu begeistern?

Prof. Krause: Da gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Eine Befragung von Professoren hat gezeigt: Wer in Marburg lebt, schätzt die Stadt und ihre hohe Lebensqualität. Die Anbindung, ob mit Bus, Bahn oder dem Auto, erhält hingegen durchweg schlechte Noten. Besonders bei den Dual Career Couples, von denen wir eben sprachen, spielt auch eine Rolle, ob der Partner einen interessanten Arbeitsplatz in Wohnnähe finden kann. Da haben Ballungsgebiete und Metropolen einen klaren Vorteil gegenüber Marburg. Deshalb versuchen wir, Netzwerke und Kooperationen zu bilden und zu nutzen, um auch Partnern unserer Mitarbeiter die Chance auf einen Arbeitsplatz in oder um Marburg zu bieten.

Redaktion: Welche Rolle spielen  „social media „ für die Philipps-Universität? In welchen sozialen Netzwerken sind Sie vertreten und wenn (noch) nicht, wie sind Ihre Pläne diesbezüglich?

Prof. Krause: Aus der modernen Hochschulkommunikation sind social media kaum noch wegzudenken, Twitter und Facebook sind einfach nahe an den jungen Zielgruppen dran. Ein professioneller Auftritt erfordert allerdings auch einiges an Kapazitäten. Daher setzen wir eher auf Qualität als auf Quantität. Im Moment  kommuniziert unsere Abteilung Hochschulkommunikation als zentrale Stelle über einen Twitteraccount mit Studierenden, Lehrenden, Wissenschaftsverbänden und auch Fachjournalisten. Da insbesondere unter Studierenden Facebook außerordentlich beliebt ist, wird es mittelfristig auch auf dieser Plattform einen Auftritt der Uni geben. Einzelne Fachbereiche haben sich darüber hinaus selbst auf den angesagten Kommunikationsplattformen vernetzt. Facebook scheint auch ein gutes Instrument zur „Kundenbindung“ bei nicht allzu großen Gruppen zu sein, die sich auch im real life begegnen, etwa die Studierenden am Institut für Bildende Kunst oder die Teilnehmer des diesjährigen Fulbright-Sommerprogramms an unserer Uni. Etliche Lehrende bedienen sich auch des Videoportals Youtube – Studierende und zum Beispiel studentische Initiativen wie Campus TV sowieso. Persönlich überrascht hat es mich dagegen, dass offensichtlich auch viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf den ersten Blick nicht zur Kategorie „jung, technikafin, smartphonebewehrt“ zu gehören scheinen, aktive user von social media sind. Auch unser Kanzler hat zum Beispiel einen Twitteraccount.

Redaktion: Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Kommunikation ist für mich….“

Prof. Krause: …Barrieren überwinden.

Redaktion: Wo sehen Sie im Außenauftritt der Philipps-Universität noch Potential?

Prof. Krause: Ich würde mir wünschen, dass wir noch stärker an einem selbstbewussteren Auftreten arbeiten. Statt eines sichtbaren Stolzes pflegen wir an der Philipps-Universität  eine „Kultur des Understatements“. Das zeigt sich zum Beispiel in der Wort- und Sprachwahl. Bescheidenheit mag sympathisch wirken. Wenn jedoch die Bewilligung eines Forschungsantrages deshalb in Gefahr gerät, ist sie fehl am Platz. Wir leisten tolle Arbeit. Und das sollten wir noch stärker von innen nach außen tragen. Die Philipps-Universität genießt national und international  einen hervorragenden Ruf. Die Wertschätzung, die wir durch andere erfahren, soll sich in Zukunft deutlicher im Außen-Auftritt der Philipps-Universität und ihrer Mitarbeiter zeigen.

Redaktion: Frau Prof. Dr. Krause, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!